Fachtagung

Im Rahmen des Projektes »Streitfall Religion« hat das Forum für interreligiöse Bildung am 2. April 2008 eine Fachtagung zum Thema »Streitfall Religion? Erfahrungen und Strategien im Umgang mit interreligiösen Konflikten« veranstaltet.


Die Tagung hat fast 200 Akteure und MultiplikatorInnen der interreligiösen Bildungsarbeit und VertreterInnen der Religionen zusammen gebracht. In Vorträgen und Workshops wurde der Stellenwert der Religionen im Umgang mit interreligiösen Konflikten erörtert und gemeinsam nach gangbaren Lösungsmöglichkeiten gesucht

 

 

 

Thema

Religion ist ein wichtiger Bestandteil der Identität von Menschen. Sie ist Ausdruck kultureller Vielfalt und begründet ethische Auffassungen und Werte. Bisweilen kann sie jedoch auch der Abgrenzung dienen. Konflikte entstehen, wo verschiedene Auffassungen aufeinander treffen und Werte unterschiedlich gewichtet werden.


Interreligiöse Bildungsarbeit wirkt vor allem bei Kindern und Jugendlichen präventiv gegen Fundamentalismus, Antisemitismus und Xenophobie. Auf unserer Fach­tagung »Streitfall Religion?« werden verschiedene Initiativen über ihre pädagogische Arbeit berichten und in interaktiver Gruppenarbeit veranschaulichen, wie sie Konflikte konstruktiv bearbeiten. Wissenschaftlicher Sachverstand aus allen drei abrahamitischen Religionen und vielfältige Praxiserfahrung kommen miteinander ins Gespräch.


Für uns als Forum für interreligiöse Bildung stellt die ­Tagung einen Meilenstein auf einem längeren Weg ­unserer Projektarbeit dar, in dessen Verlauf wir kleine Teams von ­jugendlichen KonflikttrainerInnen ausbilden werden, ­damit sie interreligiöse Konflikte an Schulen bearbeiten. Die derzeitige Projektphase ist gefördert im Rahmen des Programms »VIELFALT TUT GUT. Jugend für ­Vielfalt, ­Toleranz und Demokratie« des ­Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.


Wir laden Sie als MultiplikatorInnen in der Bildungs­arbeit und als Interessierte herzlich ein, Ihre Erfahrungen und Gedanken in die Fachtagung einzubringen und die inter­religiöse Bildungsarbeit gemeinsam einen ­weiteren Schritt voran zu bringen.

 

Programm

 9:00

Kaffee und Tee zur Ankunft, Anmeldung

 9:30

Eröffnung der Tagung und Grußwort

 9:45

Streitfall Religion

Du sollst den Namen Gottes nicht aufs Wahnhafte heben

Dr. Eugen Drewermann, Paderborn

11:15

Kaffeepause

11:30

Interreligiöse Konflikte aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive

Prof. Dr. Micha Brumlik, Frankfurt/Main

12:30

Mittagessen und Pause

14:00

Kurzpräsentation ausgewählter Initiativen

Anschließend interaktive Gruppenarbeit in Stationen:

Beispielhafte Konfliktbearbeitung anhand der Praxiserfahrung der vorgestellten Initiativen:

  • Anne Frank Zentrum
  • Jüdisches Museum Berlin
  • Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus
  • Kreuzberger Musikalische Aktion
  • Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage
  • Sehitlik Moschee
  • Werkstatt der Religionen

15:30

Kaffeepause

15:45

Pädagogische Konzepte der Konfliktprävention und -bewältigung

16:30

Gewaltfreie Konfliktbearbeitung und Konflikttransformation

Hagen Berndt, Woltersdorf

17:15

Resümee und Ausblick

Grußworte der Religionsgemeinschaften

Charlotte Knobloch (Präsidentin, Zentralrat der Juden in Deutschland)

Nur der Dialog untereinander vermag es, Verbindungen zu schaffen, die die Unterschiede der Religionen nicht nivellieren, sondern zu einem von Respekt gekennzeichneten friedlichen Austausch und Miteinander führen. Dieser Dialog mag mitunter von Kon­flikten geprägt sein, insbesondere wenn die jeweils eigene Religion als die einzig wahre herauszustellen versucht wird. Die Tagung »Streitfall Religion?« bietet daher die Möglichkeit, Wege des Umgangs mit und Auswege aus interreligiösen Konflikten aufzuzeigen, um zu einem fruchtbaren Dialog zurückzukehren.

 

Wolfgang Huber (Ratsvorsitzender, Evangelische Kirche in Deutschland)

Religionsfreiheit ist nicht nur bequem. Denn Religion ist nicht nur gut. Sie fördert nicht nur den Frieden, sondern auch den Konflikt. Sie überwindet nicht nur Gewalt, sondern steigert sie auch. Wir kennen die Rechtfertigung von Gewalt im Judentum, im Christentum und im Islam. Wir werden die unfriedlichen Folgen der ­Religion nur in dem Maß überwinden, in dem wir jeweils zu selbstkritischen Korrekturen bereit und im Stande sind. Dabei sollten die Religionen sich gegenseitig unter­stützen. Das aber kann nur gelingen, wenn die strittigen Themen angesprochen werden. Ihrer Fachtagung wünsche ich einen guten und klärenden Verlauf.

 

Nadeem Elyas (Beiratsvorsitzender, Zentralrat der Muslime in Deutschland)

Vielfalt ist Bereicherung… Einfalt ist armselig und dumm! Gott hat uns in jeder Hinsicht verschieden geschaffen, damit wir uns ergänzen und vervollkommnen, nicht verdrängen und bekriegen. Das friedliche Miteinander ist uns eine islamische Pflicht. Nicht immer gelingt es – zwar – vernünftigen Menschen, diesen Weg zu finden und zu behalten. Gerade den Jugendlichen sollte die Fortsetzung dieses Weges oder gar ein innovativer Anfang leichter fallen. Den Teilnehmenden der Tagung »Streitfall Religion?« wünsche ich einen konstruktiv-kritischen Umgang mit Erfolg und Misserfolg des interreligiösen Miteinanders.

Vorträge

"Du sollst den Namen Gottes nicht aufs Wahnhafte heben"

Dr. Eugen Drewermann, Paderborn

"Interreligiöse Konflikte aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive"

Prof. Dr. Micha Brumlik, Frankfurt/Main

 

"Pädagogische Konzepte der Konfliktprävention und -bewältigung"

Dr. Jamie Walker

 

"Gewaltfreie Konfliktbearbeitung und Konflikttransformation"

Hagen Berndt, Woltersdorf

 
Die Wille Evangelischer Kirchenkreis